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Programm 2018

Do, 17. Mai 2018
Vortrag und Gespräch mit Bernhard Jensen und Andreas Brämer

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in der jüdischen Bevölkerung ein kulturelles Selbstbewusstsein jenseits von Religion und Assimilation. Zu dieser jüdischen Renaissance zählten auch Initiativen, die die jüdische Tradition in der Moderne wiederentdeckten und als Ausdruck ihrer eigenen Identität begriffen. Die Soncino-Gesellschaft, 1924 gegründet, integrierte Orthodoxe, Liberale und Zionisten. Mit 650 Mitgliedern gehörte sie zu den großen bibliophilen Vereinen der Weimarer Republik. Bis 1937 erschienen von der hebräischen Bibel bis zu zeitgenössischer Literatur über hundert Publikationen.

Di, 8. Mai 2018
Vortrag und Gespräch mit Miriam Bistrovic

„Stilles bescheidenes Leben gibt mehr Glück als erfolgreiches Streben, verbunden mit beständiger Unruhe,“ schrieb Albert Einstein im November 1922 auf einer Notiz des Hotel Imperial in Tokio. Mit den Worten, dass dieser unscheinbare Zettel einst wertvoller sein würde als Trinkgeld, steckte er das Papier einem Dienstboten zu. Der große Denker sollte recht behalten: bei einer Auktion im Oktober 2017 brachten diese Zeilen ihrem Besitzer 1,5 Millionen US-Dollar ein. Nicht nur die Auswirkungen von Albert Einsteins Besuch sind bis heute spürbar. Obwohl Schätzungen zufolge aktuell nur 1.000-1.500 Jüdinnen und Juden in Japan leben, prägten jüdische Persönlichkeiten im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert die Geschichte des Landes nachhaltig. Im Vortrag werden Einzelschicksale vorgestellt, die beispielhaft Einblicke in die komplexe Geschichte von Juden in Japan geben.

Do, 26. Apr 2018
Lesung und Gespräch mit Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth

Über eine Viertelmillion osteuropäische Juden, die meisten aus Polen, strandeten in den Nachkriegsjahren in Westdeutschland. Der neue Antisemitismus hatte sie aus ihren Heimatländern vertrieben. Ausgerechnet in Deutschland begaben sie sich unter die Obhut der westlichen Siegermächte. Es sollte nur Transit sein, auf dem Weg nach Palästina oder in die USA. Doch es dauerte, und deshalb entfaltete sich in den Camps für einige Zeit das altvertraute Schtetl-Leben Osteuropas. Das Buch zeichnet die politischen Linien dieser heute weitgehend vergessenen Epoche nach, erklärt sie aber auch anhand der Schilderung von vielen Einzelschicksalen.

Mi, 4. Apr 2018
Vortrag und Gespräch mit Thomas Lewy

Unter den jüdischen Emigrantinnen und Emigranten, die in den 1930er Jahren aus dem nationalsozialistischen Deutschland ins britische Mandatsgebiet Palästina geflohen waren – den sogenannten „Jeckes“ – hatten es die Theaterschaffenden besonders schwer. Thomas Lewy hat ein Buch darüber geschrieben und wird in seinem Vortrag Werdegänge dieser „Jeckes“ im neuen Land sowie ihre schwierigen kulturellen Auseinandersetzungen zwischen den westlichen und östlichen Theatertraditionen vorstellen. Dabei wird er auch archivierte Filmaufnahmen von damaligen Theateraufführungen präsentieren.

Di, 20. Mär 2018
Lesung und Gespräch mit Thomas Sparr

Anfang der 1920er Jahre als Gartenstadt angelegt, wurde der Vorort Rechavia vor allem ab 1933 zum Zentrum der deutschen Juden. Else Lasker-Schüler lebte hier, Gershom Scholem, Martin Buber, und ein lebhafter deutsch-jüdischer Mikrokosmos. Idyllisch gelegen, doch mit schwierigem Alltag, lag Rechavia im Fadenkreuz der lange geteilten Stadt; Gegenwart und Vergangenheit der Shoah lasteten auf seinen Bewohnern. Zugleich aber war dies der Ort deutsch-israelischer Annäherung.

Do, 8. Mär 2018
Rezitation und Gespräch mit Mati Shemoeloff und Jan Kühne

Mati Shemoeloff, geboren 1972 in Haifa, hat sechs Gedichtbände sowie zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. Er gehört einer neuen Dichtergeneration in Israel an, welche die eigene Erfahrung gesellschaftlicher Marginalisierung in ihrer Poetik gezielt als Mittel der Kritik einsetzt. Shemoeloff hat viele Auszeichnungen für sein Werk erhalten, darunter 2013 den renommierten Acum Förderpreis für Literatur in Israel und 2015 den israelischen Preis für das beste Buch des Jahres.

Mi, 21. Feb 2018
Gespräch mit Micha Brumlik, Max Czollek und Anna Schapiro

Mit der Zeitschrift Jalta wurde 2017 ein Forum eröffnet, in dem jüdische und nicht-jüdische Stimmen zu Wort kommen. Die Autor*innen stellen mehrheitsgesellschaftliche Deutungsmuster und Erwartungen an die jüdische Community in Frage, reflektieren die Diversität der Post-Migrationsgesellschaft und zeigen Möglichkeiten der Allianzbildung auf. Die zweite Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt Desintegration versammelt wissenschaftliche, essayistische, künstlerische und literarische Beiträge.

Di, 6. Feb 2018
Lesung und Gespräch mit Rainer René Mueller

Der Dichter Rainer René Mueller ist ein Geheimtipp geblieben.Wer ihn entdeckt, erlebt eine kleine Sensation. Joachim Sartorius bedauert sehr, ihn nicht in sein Handbuch der politischen Lyrik aufgenommen zu haben. Er schreibt: „Wir müssen seine Gedichte lesen.“ Die brillanten Gedichte gehen tief unter die Haut. Alltagswörter berühren sich auf zarte und ungeheure Weise, erklingen wie nie zuvor und erhellen das Vergangene in der Gegenwart.

 

Do, 1. Feb 2018
Vortrag und Gespräch mit mit Ruth Zeifert (ausverkauft)

Jüdisch ist, wer Kind einer jüdischen Mutter ist. Die Halacha, das jüdische Religionsgesetz, ist da eindeutig. Es kommt allein auf die Mutter an. Herkunft und Glauben des Vaters sind für den Status irrelevant. In den Jüdischen Gemeinden sind sie nicht registriert. Dieser Status steht oft im Widerspruch zum Selbstbild und zur Fremdwahrnehmung. Gehören die „Vaterjuden“ nicht auch zur jüdischen Gemeinschaft? Ruth Zeifert hat dieses Phänomen in ihrer Dissertation untersucht und Gespräche mit so genannten „Vaterjuden“ geführt.

Do, 25. Jan 2018
Lesung und Gespräch mit Jeanette Erazo Heufelder und Deborah Steinborn

Manchmal braucht es zur Verwirklichung
 von guten Ideen einfach Geld. Der 
Ruf des von Horkheimer und Pollock 
gegründeten und von Adorno geprägten
 Frankfurter „Instituts für Sozialforschung“
 strahlt in alle Welt. Weniger bekannt ist,
 woher das Geld für diese Einrichtung
 kam.

Do, 18. Jan 2018
Lesung und Gespräch mit Marita Keilson und Jos Versteegen

Im Sommer 1944 lebt Hans Keilson, vor den Nazis in die Niederlande emigriert, versteckt und unter falschem Namen bei niederländischen Freunden in Delft. Dort lernt er eine junge Frau kennen, verliebt sich. Für sie schreibt er 46 Sonette – auf Deutsch, in der Sprache des gemeinsamen Feindes, 
in denen Krieg und Verfolgung wie auch das Nachdenken über Liebe und Dichtkunst Widerhall finden. Als nach dem Tod Hans Keilsons seine Frau Marita 
Keilson den Nachlass ordnete, fand sie die Sonette, wobei erst durch dasTransskript des ebenfalls 1944 entstandenen und 2014 herausgegebenen „Tagebuch 1944“ der Zusammenhang zu der leidenschaftlichen Begegnung mit Hanna Sanders deutlich wurde.