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Aktuelles

Programm: Was demnächst läuft

Do, 25. Okt 2018
Vortrag und Gespräch mit Michael Studemund-Halévy

Sie nannten ihre neue Heimat Jerusalem, sie gaben ihren Synagogen messianische Namen und ließen ihre Schiffe unter biblischen Namen über den Atlantik segeln, der in wenigen Jahrzehnten zu einem jüdischen Atlantik wurde.

Die Nachkommen der von der Iberischen Halbinsel geflüchteten ehemaligen zwangsgetauften Juden sahen in der jüdischen Besiedlung der Karibik und der Neuen Welt einen Hinweis auf ein messianisches Zeitalter.

Lesung
Mi, 7. Nov 2018
Ein wildes Zeugnis der jüdischen Szene – mit Max Czollek

Max Czolleks furiose Streitschrift ist die Polemik der Stunde. Er ist dreißig, jüdisch und wütend, Lyriker und Politologe. Er stößt eine verblüffende Debatte um Integration und Zugehörigkeit an. Denn hierzulande herrschen seltsame Regeln: Ein guter Migrant ist, wer aufgeklärt über Frauenunterdrückung, Islamismus und Demokratiefähigkeit spricht. Ein guter Jude, wer stets zu Antisemitismus, Holocaust und Israel Auskunft gibt. Dieses Integrationstheater stabilisiert das Bild einer geläuterten Gesellschaft – während eine völkische Partei Erfolge feiert. Desintegriert euch! ist ein Schlachtruf der neuen jüdischen Szene und zugleich eine Attacke gegen die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur.

Vortrag
Do, 15. Nov 2018
Über Objekte des Exils – mit Elke-Vera Kotowski

(Veranstaltung im Rahmen der Tage des Exils 2018; gefördert durch die Moses Mendelssohn Stiftung)

Elke-Vera Kotowski hat 2017 zehn Länder in Süd- und Mittelamerika bereist, auf der Suche nach Gegenständen, die jüdische Familien in den 1930er Jahren auf dem Weg ins Exil aus Deutschland mitgenommen haben. Als Vertrautes in der Fremde und als Symbol für die verlorene Heimat waren gerade Alltagsgegenstände von hohem ideellen Wert, und Vieles wurde von den nachfolgenden Generationen bis heute aufbewahrt – auf Speichern, in Kellern aber auch in Wohn- und Esszimmern, als Teil der Wohn- und Lebenskultur jüdischer Immigranten zwischen Mexiko-Stadt und Bogota, bis hoch hinauf nach La Paz und an das Ufer des Pazifischen Ozeans in Lima.

Im Salon spricht sie über das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt „di-OdE / digitale Objekte des Exils“, über ihre Erlebnisse während der Reisen und die Geschichten hinter den Dingen – etwa die des in Costa Rica im Gäste-WC entdeckten Handtuchhalters, der bis 1937 in einer Hamburger Wohnung an der Außenalster angebracht war. Im anschließenden Gespräch geht es auch um die Frage, ob und wie solche Objekte des Exils fortan die (digitale) Zeitzeugenschaft übernehmen können.

Vortrag
Di, 20. Nov 2018
Vortrag und Gespräch mit Vivian Liska

Was ist in der Moderne und Post-Moderne noch übrig von Kernkonzepten jüdischer Tradition wie Messianismus, Gesetz, Exil, Erwählung und Erinnerung? Welche veränderte Form und Funktion nehmen sie an? Und (wie) wird Tradition überhaupt noch weitergegeben? Vivian Liska ist diesen Fragen in ihrem aktuellen Buch German-Jewish Thought and its Afterlife anhand der Werke wichtiger deutsch-jüdischer Denker*innen wie Franz Kafka, Walter Benjamin, Gershom Scholem, Hannah Arendt und Paul Celan nachgegangen. Sie zeigt die vielfachen Dialoge und Konversationen jener Denker*innen der Moderne und untersucht die Rezeption und Transformation dieses Denkens in postmodernen Theorien von Maurice Blanchot und Jacques Derrida ebenso wie die Aneignung oder auch Ablehnung bei einigen der bekanntesten Denker an der Schwelle zum 21. Jahrhundert wie Giorgio Agamben, Slavoj Žižek und Alain Badiou. Im Salon gibt Vivian Liska in Vortrag und Gespräch Einblicke in ihre Beschäftigung mit dem wechselhaften Schicksal deutsch-jüdischen Denkens bis in unsere Gegenwart.

Was kürzlich lief

Di, 16. Okt 2018
Lesung und Gespräch mit Michael K. Nathan

Am 20. August 2018 ist Uri Avnery in Tel Aviv gestorben. Fast sein ganzes langes Leben hat er sich streitbar und mit dem Einsatz seiner Person für den Frieden mit den Palästinensern und der Gründung eines Palästinensischen Staates eingesetzt. Er war Initiator und Mitbegründer der Friedenbewegung Gush Schalom (= Friedensblock) und kämpfte mit der von ihm über 40 Jahre geleiteten  Zeitschrift HaOlam HaZeh (= Diese Welt) für ein „Israel ohne Zionismus“ (so der Titel eines seiner Bücher). Seine Freundschaft mit Jassir Arafat  wurde aber nicht nur von der israelischen Rechten mit Unverständnis aufgenommen. Michael K. Nathan – sein langjähriger Deutschland-Korrespondent, Freund und Übersetzer – wird über seine Begegnungen mit Uri Avnery  berichten und Stella Jürgensen ausgewählte Texte von Uri Avnery lesen.

Di, 25. Sep 2018
Buchvorstellung mit Anat Feinberg

Remigration, die Rückkehr aus dem Exil, war lange Zeit ein unterbelichtetes – mitunter zu heikles – Thema der Zeitgeschichte. Das gilt auch für die Berufsgruppe der Theaterkünstler, die in ganz besonderer Weise »im Rampenlicht« der Öffentlichkeit stand. Anat Feinberg hat erstmals die Schicksale von 200 jüdischen Theaterkünstler untersucht, die nach 1945 entweder auf Dauer oder vorübergehend ins geteilte Deutschland zurückkehrten. Zu den bekanntesten unter ihnen zählten Ernst Deutsch, Steffie Spira oder Claudius Kraushaar.

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