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Aktuelles

Programm: Was demnächst läuft

Vortrag
Di, 20. Nov 2018
Vortrag und Gespräch mit Vivian Liska

Was ist in der Moderne und Post-Moderne noch übrig von Kernkonzepten jüdischer Tradition wie Messianismus, Gesetz, Exil, Erwählung und Erinnerung? Welche veränderte Form und Funktion nehmen sie an? Und (wie) wird Tradition überhaupt noch weitergegeben? Vivian Liska ist diesen Fragen in ihrem aktuellen Buch German-Jewish Thought and its Afterlife anhand der Werke wichtiger deutsch-jüdischer Denker*innen wie Franz Kafka, Walter Benjamin, Gershom Scholem, Hannah Arendt und Paul Celan nachgegangen. Sie zeigt die vielfachen Dialoge und Konversationen jener Denker*innen der Moderne und untersucht die Rezeption und Transformation dieses Denkens in postmodernen Theorien von Maurice Blanchot und Jacques Derrida ebenso wie die Aneignung oder auch Ablehnung bei einigen der bekanntesten Denker an der Schwelle zum 21. Jahrhundert wie Giorgio Agamben, Slavoj Žižek und Alain Badiou. Im Salon gibt Vivian Liska in Vortrag und Gespräch Einblicke in ihre Beschäftigung mit dem wechselhaften Schicksal deutsch-jüdischen Denkens bis in unsere Gegenwart.

Do, 6. Dez 2018
Ein Abend über Ossip Mandelstam – mit Michael Hanemann und Gottfried Eberle

Im Zusammenspiel von Wort und Klang entsteht die Dichtung und bewegt sich auch der Abend mit Gedichten des russisch-jüdischen Dichters Ossip Mandelstam.

Mandelstam wurde 1891 in Warschau geboren und wuchs in St. Petersburg auf, wo er sich als junger Dichter dem Kreis der Akmeisten um Anna Achmatowa anschließt, der dem herrschenden Symbolismus eine diesseitigere Dichtung entgegensetzte. Die revolutionären Umbrüche seiner Zeit, die gesellschaftlichen und menschlichen Verwerfungen, die damit einhergehen, spiegeln sich in seinem Werk wie in seinem Leben. Zweimal wurde Mandelstam unter Stalin verhaftet. Er verstarb 1938 in einem sowjetischen Gulag.

Was kürzlich lief

Vortrag
Do, 15. Nov 2018
Über Objekte des Exils – mit Elke-Vera Kotowski

(Veranstaltung im Rahmen der Tage des Exils 2018; gefördert durch die Moses Mendelssohn Stiftung)

Elke-Vera Kotowski hat 2017 zehn Länder in Süd- und Mittelamerika bereist, auf der Suche nach Gegenständen, die jüdische Familien in den 1930er Jahren auf dem Weg ins Exil aus Deutschland mitgenommen haben. Als Vertrautes in der Fremde und als Symbol für die verlorene Heimat waren gerade Alltagsgegenstände von hohem ideellen Wert, und Vieles wurde von den nachfolgenden Generationen bis heute aufbewahrt – auf Speichern, in Kellern aber auch in Wohn- und Esszimmern, als Teil der Wohn- und Lebenskultur jüdischer Immigranten zwischen Mexiko-Stadt und Bogota, bis hoch hinauf nach La Paz und an das Ufer des Pazifischen Ozeans in Lima.

Im Salon spricht sie über das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt „di-OdE / digitale Objekte des Exils“, über ihre Erlebnisse während der Reisen und die Geschichten hinter den Dingen – etwa die des in Costa Rica im Gäste-WC entdeckten Handtuchhalters, der bis 1937 in einer Hamburger Wohnung an der Außenalster angebracht war. Im anschließenden Gespräch geht es auch um die Frage, ob und wie solche Objekte des Exils fortan die (digitale) Zeitzeugenschaft übernehmen können.

Lesung
Mi, 7. Nov 2018
Ein wildes Zeugnis der jüdischen Szene – mit Max Czollek

Max Czolleks furiose Streitschrift ist die große Entdeckung der diesjährigen Buchmesse. Es ist die Polemik der Stunde. Er ist dreißig, jüdisch und wütend und hat eine verblüffende Debatte um Integration und Zugehörigkeit angestoßen. Denn hierzulande herrschen seltsame Regeln: Ein guter Migrant ist, wer aufgeklärt über Frauenunterdrückung, Islamismus und Demokratiefähigkeit spricht. Ein guter Jude, wer stets zu Antisemitismus, Holocaust und Israel Auskunft gibt. Dieses „Integrationstheater“ stabilisiert das Bild einer geläuterten, weltoffenen Gesellschaft – während eine völkische Partei Erfolge feiert. Czollek springt zwischen der Stimme des Politikwissenschaftlers und Lyrikers und entwirft so performativ eine Strategie, das Theater zu beenden. Desintegriert euch! ist ein Schlachtruf der neuen jüdischen Szene – eine Absage an die Rolle des JfD, des „Juden für Deutsche“ und zugleich eine Attacke gegen die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur.

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