Im November 1947 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Teilungsplan für das britische Mandatsgebiet Palästina – ausgenommen Jerusalem. Diese Stadt sollte ungeteilt in die Obhut der UN übergehen. Doch der Israelisch-Arabische Krieg vereitelte 1948 diesen Plan. Jerusalem wurde in Ost und West geteilt mit einer Exklave im Nordosten der Stadt: der Scopus-Berg mit der Hebräischen Universität. Die Historikerin Yfaat Weiss untersucht die Geschichte dieser Exklave bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 – eine Geschichte, die in unsere Gegenwart hineinragt.
Was demnächst läuft
Welche andere europäische Stadt hätte so lebendige Mythen hervorgebracht wie Odessa? Dabei ist die Hafenstadt am Schwarzen Meer Europas mit gerade einmal 230 Jahren Europas jüngste Metropole. Seit der Gründung durch Katharina die Große 1794 lockte Odessa mit Freiheiten und Aufstiegsmöglichkeiten, die es sonst nirgends gab. Menschen aus aller Herren Länder, aller Berufe, Sprachen und Religionen waren willkommen, um die einstige osmanische Siedlung zu einer prächtigen Stadt zu machen.
Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. In seinem neuen Roman verbindet Tomer Gardi ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos und erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit.
Die Idee für den Roman geht auf die Erkenntnis zurück, dass Serbien als eines der ersten Länder Europas von den Nazis für „judenfrei“ erklärt wurde. Daraufhin erschien dem Autor das Bild des durch die Straßen Beograds umherstreifenden Isak Ras. Hauptmotivation für den Roman war, die noch ungenügend literarisierte Geschichte der serbischen Juden respektive ihrer Ermordung zu erzählen.
In seinem zweiten, sehr persönlichen Buch wirft Ofer Waldman einen Blick auf gescheiterte Utopien, auf eine Kindheit in einem vom Krieg gezeichneten Land, einem Land, vom Wahn ergriffen, bis zur Unkenntlichkeit verändert. Verkämpftes Land ist ein essayistisches Mosaik aus Beobachtungen, Erinnerungen und Erzählungen, gegenwärtig, vergangen, zum Teil surreal, das aus intimen, privaten Momenten immer wieder neu ansetzt, um vor der Willkür des Krieges die Suche nach Sprache, nach Erkenntnis, nach zwischenmenschlicher Wahrnehmung nicht aufzugeben.
Was kürzlich lief
Die Geschichte spielt im Sommer 2023, als die Schriftstellerin M., seit einigen Monaten im europäischen Exil, ins Nachbarland aufbricht – ein Festival hat sie zu Lesungen eingeladen. Die Reise ist voller Pannen: der vorgesehene Anschlusszug existiert nicht, das Ladekabel des Telefons geht verloren. Auf dem Grenzbahnhof in F. wartet niemand, der Kontakt zu den Veranstaltern ist abgebrochen.
Wenn aus früheren Erfahrungen und Unterlassungen Lehren gezogen werden können, dann lohnt es sich über die eigene Geschichte zu sprechen. Für Roswitha Rothlach, 1941 in Hamburg geboren, ist der Jüdische Salon am Grindel ein solcher Ort der Verständigung und Reflexion, der sich der Gegenwart widmet und dabei die Vergangenheit stets im Blick behält. In einem persönlichen Manuskript, das sie ihrem Neffen widmet, erzählt sie von ihrer Familiengeschichte, von jüdischen und englischen Verbindungen, dem Schweigen der Nachkriegszeit und Erfahrungen von Hartherzigkeit.







