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»Tehilla« – Werk eines großen Erzählers

Lesung

Hans-Jürgen Schatz liest Samuel J. Agnon

Donnerstag, 14. April 2011 - 20:00

 

In Kooperation mit den Hamburger Symphonikern.

Intendant Daniel Kühnel über den Abend:

Der hebräische Frauenname Tehilla bedeutet soviel wie Lobpreis oder auch Glorie. Die Erzählung, die eine der verlassendsten Figuren Agnons vor Augen führt, beginnt mit den Worten: »Eine Alte lebte in Jerusalem. Eine so schöne Alte habt Ihr Euer Lebtag nicht gesehen…« Und man mag hinzufügen: Eine so schöne Erzählung Euer Lebtag nicht gehört. Wehrlos, wie von einem überstarken Wasserstrudel in eine verzückend schöne Tiefe hinabgezogen, fühlt sich der Leser des Werks Samuel Josef Agnons, jenem unbestritten größten modernen Erzähler hebräischer Sprache, dem »letzten hebräischen Klassiker«, wie Gerschom Scholem ihn nannte.

Samuel J. Agnon (1888-1970) wurde als Samuel (Schmuel) Josef Czaczek in Buczacz geboren, einer traditionsreichen orthodoxen jüdischen Gemeinde im damals österreichisch-ungarischen Gallizien. 1909 verließ er sein Vaterhaus und ging nach Palästina. 1912 zog er nach Berlin und wurde Teil des florierenden intellektuellen jüdischen Lebens der Stadt. Den ersten Weltkrieg erlebte er in Deutschland. Hier heiratete er. 1924, nachdem ein verheerendes Feuer seine Wohnung – wie davor bereits sein Vaterhaus in Galizien – zerstört hatte, kehrte er in das gelobte Land zurück, das er fortan bis zu seinem Tod nur ungern und immer nur für möglichst kurze Zeit verließ.

Zeit seines Lebens beschäftigte sich Agnon mit dem Motiv der Verlassenheit, der menschlichen Verlassenheit schlechthin. Dieses Motiv durchdringt sein Werk in allen Schichten. Und es zeugt von der tiefen seelischen Verbundenheit, von der bestimmenden Bedeutung dieses Motivs, sodass der Autor sich nach Erscheinen der Erzählung »Agunot« fortan »Agnon« nannte.

Dass keine Übersetzung dieser Kraft der Erzählungen Agnons Abbruch tun kann, beweist auch der ihm 1966 verliehene Nobelpreis für Literatur. Dem Komitee lag seinerzeit der Roman »Nur wie ein Gast zur Nacht« vor.

Der Berliner Schauspieler Hans-Jürgen Schatz steht auf Theaterbühnen, spielt in Krimi-Serien und Spielfilmen, ist bei Auftritten mit Sängern, Instrumentalsolisten und Symphonieorchestern auch Gast auf Konzertpodien