

Erstmals erschien dieser Roman im März 2024, den Justin Steinfeld 1955 in England verfasste, sich aber nie um eine Veröffentlichung bemühte. Das Manuskript geriet in Vergessenheit und wurde erst jetzt wiedergefunden. In Zeiten eines Kriegs in Europa und der erneuten Rede von atomarer Bedrohung liest sich Califa bedenklich aktuell und, in der Verbindung aus sozialistischem Realismus und Satire, Science Fiction und alternativer Geschichte, auch überraschend modern. Steinfelds Fazit bestätigt sich: Solange es Nationen und damit Nationalismus gibt, wird es Krieg geben.
Alles dreht sich um Califa, oder kurz: CLF. Die Militärführung in Nomandy, auf der anderen Seite des Ozeans, hat Zugriff auf das neue atomwaffenfähige Element – aber was ist mit Cistransatia, dem Gegner im Osten? In der aufgeheizten Stimmung eines geteilten Kontinents, auf dem sich die Weltmächte an den Zonengrenzen des seit dem Krieg besetzten Potatis nahekommen, scheint jede Entscheidung unkalkulierbare Konsequenzen zu haben.
Einführung: Detlef Grumbach, Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg
Editionsgeschichte des Buches: Katharina Picandet, Edition Nautilus
Vorleser: Michael Weber
Justin Steinfeld, geboren 1886 in Kiel, seit 1892 aufgewachsen in Hamburg, gestorben 1970 in Baldock, England. Nach einer kaufmännischen Ausbildung wechselte er zum Journalismus und Theater und war in den 1920er Jahren Zeitschriftenherausgeber, Theaterkritiker, Dramaturg und Mitbegründer des »Kollektivs Hamburger Schauspieler«. Er war Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg und stand der KPD nahe. 1933 war Steinfeld kurzzeitig im Konzentrationslager Fuhlsbüttel interniert; im selben Jahr gelang ihm die Flucht nach Prag. Dort schrieb Steinfeld für diverse Organe der deutschen Exilpresse. Nach dem Münchner Abkommen floh er 1939 mit seiner Frau und deren Sohn über Polen nach Großbritannien, wo er bis zu seinem Tod lebte. Sein – bisher als der einzige geltende – Roman Ein Mann liest Zeitung (Neuer Malik Verlag 1984, Neuausgabe Schöffling 2020) schildert die Schicksale deutscher Emigranten im Prag der 1930er Jahre und ist ein bedeutendes Dokument der deutschsprachigen Exilliteratur.
Gastgeberin ist Barbara Guggenheim
Eintritt frei, Spenden vor Ort an den Salon sind willkommen.
Verbindliche Anmeldungen bitte an info@salonamgrindel.de oder bei Telefon 0176 21 99 82 72.
