

Unter der „Migration aus der Türkei“ wird in Deutschland vor allem die Migration von Arbeitsmigrant:innen assoziiert. Und mit „jüdische Flucht – Türkei“ verbindet man meistens die Emigration der vom NS-Regime als ‚jüdisch‘ verfolgter Wissenschaftler:innen während der 1930er Jahre in die Türkei.
Weit weniger bekannt ist die Emigration von Juden und Jüdinnen aus der Türkei (und dem Osmanischen Reich) während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts: mehr als 25.000 Juden aus der Türkei lebten während der Zwischenkriegszeit in Paris, Berlin, Mailand, Brüssel und zahlreichen anderen Städten Europas, eine noch größere Anzahl siedelte sich in ‚den Amerikas‘ an.
Aufgrund der sprachlichen Nähe des Judezmo (der Sprache der sephardischen Juden) zum Spanischen, bot sich insbesondere Lateinamerika als Migrationsziel an. So entstanden während der 1920er und 1930er Jahre in Argentinien von ‚türkischen‘ Juden gegründete landwirtschaftliche Kooperativen und in den Großstädten mehrerer lateinamerikanischer Staaten gründeten sich türkisch-jüdische Gemeinden.
Mit Einsetzen der nationalsozialistischen Verfolgung in Deutschland versuchten auch mehrere der hier ansässigen türkischen Juden nach Lateinamerika zu fliehen oder weiter zu migrieren.
Die Veranstaltung wird in einem ersten Teil einen Überblick über die Migrationswege türkischer (ex-osmanischer) Juden und Jüdinnen geben und im zweiten Vortrag anhand ausgewählter Lebensgeschichten über erfolgreiche oder misslungene Fluchtgeschichten türkischer Jüdinnen und Juden aus Nazi-Deutschland nach Lateinamerika berichten.
Corry Guttstadt ist selbständige Autorin, Übersetzerin und Aktivistin zu den Themen Menschenrechte, Rassismus und Antisemitismus. An der Universität Hamburg studierte sie Turkologie und Geschichte, sie ist Verfasserin zahlreicher Publikationen zur Geschichte und Situation der Juden in der Türkei. Aktuell bereitet sie unter dem Titel „Zwischen Aufbruch und Verfolgung“ einen Band mit Migrationsgeschichten türkischer Juden im 20. Jahrhundert vor.
Özlem Sultan Çolak studierte in Ankara Latein- und Nordamerikastudien sowie Geschichte. Derzeit sie ist Doktorandin an der Universität Wien und forscht zur Migration aus dem Osmanischen Reich nach Lateinamerika sowie der Entstehung kollektiver Erinnerung in Diasporagemeinschaften. Ihre Arbeit verbindet Migrationsgeschichte und Erinnerungsforschung.
Der Vortrag von Özlem Sultan Çolak findet auf Türkisch statt, es wird übersetzt.
Der Abend wird gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Bitte melden Sie sich verbindlich an über info@salonamgrindel.de.

