


Vielleicht ist Zweifelssohn verrückt, vielleicht ein Genie, vielleicht ein Prophet, so genau lässt es sich nicht sagen. Jedenfalls sieht er Dinge, die andere nicht sehen. Er ist das Gegenteil von Leichtigkeit, trägt in seinem Koffer die Last der Geschichte. Max Czollek ringt in seinem ersten Roman mit einer Gegenwart zwischen Popliteratur und Untergangsvision. Sein Protagonist Zweifelssohn („wie Mendelssohn, aber mit Zweifel“) reist von Wien quer durch Deutschland bis nach Rügen und ist dabei immer auch auf der Flucht vor einer Welt, deren Ende ihn einzuholen droht. Poetisch, witzig, mitunter bitterböse, aber auch verzweifelt optimistisch erzählt der Roman von der unerträglichen Gegenwärtigkeit des Jüdischseins.
Lesung und Gespräch werden von Akkordeonspieler Jakob Neubauer musikalisch begleitet.
Max Czollek, geboren 1987, ist Autor und lebt in Berlin. Er ist Verfasser mehrerer Lyrik- und Essaybände, Mitherausgeber des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart, Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Kurator beim Haus der Kulturen der Welt Berlin, war Stadtschreiber zu Rheinsberg und DAAD Distinguished Chair in Contemporary Poetics, New York 2024. Zweifelssohn ist sein erster Roman.
Jakob Neubauer ist in Russland aufgewachsen und hat dort seine Musikausbildung auf dem russischen Knopfakkordeon (Bajan) absolviert. Seit 1991 ist er in Hamburg als Orchester- und Theatermusiker tätig, u.a. am Schauspielhaus, an der Hamburgischen Staatsoper, mit den Hamburger Symphonikern oder dem NDR-Symphonieorchester.
Gastgeber ist Sebastian Schirrmeister
